Baubeginn für 286 neue Wohnungen am alten Speicher

By 20. August 2018 | MOZ Pressestimmen Seite drucken

Hofsituation: Bis zu fünf Geschosse zählen die Neubauten. Alle Wohnungen erhalten Balkone. Foto: Graft

Der Dornröschenschlaf am Speicher ist endgültig beendet. Kommende Woche rollen die Bagger an. Ab 2021 steuern die Bewohner von 286 neuen Wohnungen das Grundstück in der Innenstadt an.

Der Baustellenverkehr wird zu einer zusätzlichen Belastung für die Innenstadt. Immerhin werden am Speicher 264 Wohnungen auf dem 15 500 Quadratmeter großen Gelände neu gebaut, im alten Speicher entstehen 22 weitere Neubauwohnungen. Hinzu kommt ab 10. September die Vollsperrung der Saarlandstraße für ein Jahr. Genervte Autofahrer gab es bereits am Dienstag und Mittwoch, weil für die Herstellung der Baustellenzufahrt die Willy-Brandt-Straße und die Hälfte der Lehnitzstraße unangekündigt und für insgesamt drei Tage dicht waren.

Zum Jahreswechsel 2020/2021 gibt es zumindest in der oberen Lehnitzstraße erst einmal keinen Baustellenverkehr. Dann sollen Speicher und Wohngebäude bezugsfertig sein. Mitten in der Innenstadt ergibt sich damit eine völlig veränderte Optik mit einem komplett neuen Wohnquartier. Im Auftrag des Hamburger Projektentwicklers TAS hat das renommierte und weltweit tätige Berliner Architekturbüro Graft, das unter anderem zusammen mit Hollywoodstar Brad Pitt hochwassersichere Wohnhäuser in New Orleans entwickelte, zwölf weiß-graue Blöcke mit bis zu fünf Geschossen entworfen. Die 264 Wohnungen sind zwischen 60 und 125 Quadratmetern groß, sie verfügen über verglaste Balkone, für die Bewohner stehen 200 Tiefgaragenplätze bereit. Die Gesamtwohnfläche beträgt 21 150 Quadratmeter. Parallel wird der denkmalgeschützte Speicher umgebaut. Darin entstehen 22 Eigentumswohnungen. Aus Brandschutzgründen wird neben dem 35 Meter hohen stadtbildprägenden Silo ein Turm für Treppe und Aufzug gebaut.

TAS ist lediglich Bauherr am Speicher und investiert insgesamt knapp 70 Millionen Euro. Nach der Fertigstellung gehen die Wohnungen an Wohnungsbaugesellschaften und Fonds, kündigt TAS-Geschäftsführer Marcus Schwarz an. Die künftigen Eigentümer würden dann entscheiden, ob sie die Wohnungen vermieten oder als Eigentumswohnungen weiterverkaufen. Die 22 Einheiten im Speicher werden aber allesamt Eigentumswohnungen. Der Havelarm zwischen Speicher und Pferdeinsel soll gereinigt und zugänglich gemacht werden.

Auch für das benachbarte Gelände des Wassersportsclubs plant die Stadt eine Veränderung. Das 5 000 Quadratmeter große Vereinsareal soll als Bindeglied zwischen neuen Wohnungen und Havel öffentlich zugänglich werden. Die Stadt plant dazu einen Ideenwettbewerb. Der Verein hofft dennoch auf einen Verbleib auf dem angestammten Grundstück, für das der Pachtvertrag mit der Stadt 2020 ausläuft. Die Umplanung betrifft auch die östlich vom Fischerweg gelegenen Kleingärten, die Platz machen sollen für eine Wohnbebauung mit Schloss- und Havelblick. Für die Erschließung dieses neuen Fischerkiezes könnte der idyllische Louise-Henriette-Steg zur Straße umgewandelt werden.

Ursprünglich sollten die Bebauung und der Umbau des Speichers schon 2017 abgeschlossen werden. Doch es gab Probleme mit geschützten Lurchen, die Winterschlaf hielten und die notwendige Kampfmittelsuche auf dem Gelände verzögerten. Nebengebäude wurden bereits abgerissen und Bäume gefällt, doch die Kampfmittelfreiheit für das gesamte Grundstück liegt erst seit Kurzem vor.

Anfang 2017 begruben die vier Eigentümer ihre Pläne und verkauften das Speichergelände an die TAS-GmbH, die mit Graft noch einmal komplett neu plante. Dafür wurde eine Änderung des Bebauungsplans notwendig. Die Baugenehmigung liegt nun für die Tiefbaumaßnahmen vor. TAS beginnt, noch bevor auch die Hochbauplanung genehmigt ist. Es scheint fast, als sollten endlich Fakten geschaffen werden und Beton fließen, damit die Pläne Realität werden. Immerhin ist die Nachfrage nach Wohnraum in Oranienburg groß.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://www.moz.de/landkreise/oberhavel/oranienburg/oranienburg-artikel/dg/0/1/1675177/

Quelle: MOZ.de, Klaus D. Grote