Die Hamburger Bürobauten von Jurgen Mayer H. erregen Aufsehen

Schwimmende Augen – Die Hamburger Bürobauten von Jurgen Mayer H. erregen Aufsehen

Die extravaganten Neubauten von Jürgen Mayer H. lassen kaum jemanden kalt. In Hamburg sorgte unlängst sein erster Bürobau für Aufregung. Nun steht der zweite kurz vor der Fertigstellung.

Soft-Edge-Formen

„Ich mache lieber weniger, dafür aber etwas Besonderes», betont der Hamburger Investor Andreas Barke, der die beiden Projekte von Jürgen Mayer H. entwickelt hat. Hier scheinen sich also ideale Partner gefunden zu haben. Was aber genau ist das Besondere an den beiden Entwürfen? Und was hat die Gemüter bei dem ADA1 (nach seiner Adresse An der Alster 1) genannten Bau so erhitzt? Anders als in anderen Teilen der Stadt arbeitet man an Binnen- und Aussenalster nicht mit Backstein, sondern – so wollen es die Alsterverordnungen von 1949 und 1953 – mit hellen Stein- oder Putzfassaden. Daran hat sich Mayer H. bei seinem Entwurf am Übergang zwischen Hamburg-Mitte und Hamburg-Nord auch gehalten: Um dem Reglement Genüge zu tun, hängte er weissverputzte Porenbetonelemente vor die Glasfassade. Doch mit den für seine Bauwerke typischen Soft-Edge-Formen kehrte er das gewohnte Verhältnis von offenen und geschlossenen Flächen um und stellte dem vertrauten Bild an der Alster eine eigenwillige Auslegung der Gestaltungssatzung entgegen.

Trotzdem hat der Bau ganz zu Recht auch in Hamburger Fachkreisen einige prominente Fürsprecher gefunden. Was fällt denn den Durchschnittsarchitekten ein, wenn sie nicht, wie an der Alster, auf hellen Putz oder Stein verpflichtet werden? Während einige der Bürohausentwerfer meinen, noch immer und ganz unabhängig vom Standort an die Backsteintradition anknüpfen zu müssen, ergehen sich andere seit Jahren in grossflächigen Stahl-Glas-Konstruktionen. Und immer wieder entstehen – wie derzeit beim Spiegel-Neubau am Brooktorkai – die üblichen Schiffsbugmotive, die man in Hamburg schon zur Genüge kennt. Dagegen wirken die freien Fassadenspiele von Mayer H. durchaus erfrischend.

Ein gläserner Wasserfall

(…) Im Mai 2007 verkaufte Barke das ADA1-Gebäude an die Hamburger Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft TAS KG, die mit dem Kauf der 1968 erbauten Esso-Zentrale gerade in den Bürostandort City Nord investiert hat. Am eigenen Firmensitz hat die TAS KG bereits letztes Jahr die beiden Nachbargrundstücke An der Alster 3 und 5 erworben. Dass hier aber für Umbau und Modernisierung nochmals Jürgen Mayer H. zum Zuge kommen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Verfehlte Polemik

Freilich sind Vorwürfe etwa der Art, dass ADA1 aufgrund seiner unkonventionellen Architektursprache eine Bekanntheit erhalte, die man eigentlich nur von Hundertwasser-Bauten kenne, in ihrer Polemik völlig verfehlt. Von weitem, beim Blick über die Alster, stellt man fest, dass mit dem Neubau von Mayer H. ein weiterer Akzent, ein zusätzlicher Ankerpunkt im städtischen Raum entstanden ist, der sich – trotz markanter Fernwirkung – nicht über Gebühr aufdrängt, sondern aufgrund seiner Baumassen recht gut in die Stadtsilhouette einfügt. (…)“

Quelle: Neue Züricher Zeitung – Jorg Seifert