Oranienburger wollen in die neuen Wohnungen am Speicher

By 4. November 2020 | TAS Unternehmensgruppe Pressestimmen Seite drucken
Ab November werden die ersten von insgesamt 264 Wohnungen bezogen. Der Hamburger Investor TAS ist zufrieden mit der Nachfrage. 
Ungelöst bleibt die Frage zur Zukunft des denkmalgeschützten Kornspeichers. Die wird vor Gericht geklärt.  

15. Oktober 2020, 14:56 Uhr Oranienburg Von Klaus D. Grote

Blick vom Balkon einer Wohnung in der zweiten Etage in den Innenhof des Wohnbauprojekts Louise. © Foto: Klaus D. Grote

Musterwohnung in der vierten Etage: Die Wohnung ist möbliert, lichtdurchflutet und verfügt über zwei Balkone. Eine voll ausgestattete Einbauküche gehört in allen Wohnungen dazu. © Foto: Klaus D. Grote

Im Innenhof finden Pflasterarbeiten statt, damit die ersten Mieter ab November trockenen Fußes in die Häuser kommen. Die Hofbegrünung erfolgt bis März. Die westlich gelegenen Häuser (hinten auf dem Bild) werden ab März bezogen. © Foto: Klaus D. Grote

An der Lehnitzstraße, Höhe Willy-Brandt-Straße befinden sich die Ein- und Ausfahrten zu den beiden Tiefgaragen für Mieter. Insgesamt 220 Stellplätze stehen zur Verfügung. © Foto: Klaus D. Grote

An der Pferdeinsel entsteht ein Zugang mit Treppe und Rampe. Die Wege zwischen den Häusern sind öffentlich zugänglich. © Foto: Klaus D. Grote

Andrea Kiefer freut sich schon auf die neue Wohnung. Zum Jahreswechsel will die Oranienburgerin mit Mann, Kind und Hund umziehen: von der Weißen Stadt in die Neubauwohnungen am Speicher. „Unsere Tochter ist ausgezogen“, sagt die 38-Jährige. Statt einer Vier-Raum-Wohnung würden jetzt drei Zimmer reichen. „Wir haben uns mehrere Angebote angesehen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist bei den Neubauwohnungen am besten.“ Auch der Service des Vermieters sei viel besser als das, was sie bisher gewohnt war, sagt die gebürtige Veltenerin. Hund Aris sei zudem willkommen. Auch das sei nicht bei allen Vermietern selbstverständlich.

125 Wohnungen am Speicher in Oranienburg sind fertig

125 Wohnungen des ersten Bauabschnitts am Speicher werden ab November bezogen. Bis jetzt sind davon 83 Einheiten vermietet. „Wir sind zufrieden“, sagt Stephan Oelze, geschäftsführender Gesellschafter der TAS-Unternehmensgruppe. Coronabedingt hätten Besichtigungstermine nicht wie geplant stattfinden können. Dennoch liege der jetzige Vermietungsstand von mehr als 60 Prozent über dem geplanten Soll.

264 Wohnungen sind rund um den alten Speicher entstanden. Die Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen befinden sich in zwölf Häuserblöcken mit bis zu fünf Etagen. Jeder Block verfügt über einen eigenen Aufgang mit Aufzug und direktem Zugang zur Tiefgarage. Insgesamt stehen in zwei unterirdischen Garagen 220 Stellplätze zur Verfügung.

Mieter zwischen 30 und 50 Jahre alt

Überrascht ist der Vermieter von den Interessenten. Zwei Drittel der Mieter kommen aus Oranienburg, ein Drittel aus Berlin und dem nördlichen Berliner Rand. „Wir sind davon ausgegangen, dass das Verhältnis umgekehrt ist, doch die Oranienburger sind uns die Tür eingerannt“, sagt Oelze. Die Werbung für das Wohnprojekt Louise zielt vor allem auf Auswärtige ab, wirbt mit „Wohnen an Schloss und Havel“.

Viele Mieter aus Oranienburg würden sich mit dem Umzug verbessern, sich etwas Neues gönnen wollen. Es gebe aber auch Senioren, die ihr Haus verkaufen und sich verkleinern wollen, so Oelze. Die meiste Mieter seien zwischen 30 und 50 Jahren alt.

TAS lege Wert auf eine Mischung in der Mieterstruktur. Neben der Größe unterscheiden sich die Wohnungen deshalb in Zuschnitt, Lage und Preis. Eher dunklere Wohnungen sind ab einem Quadratmeterpreis von neun Euro zu haben. Lichtdurchflutete Wohnungen mit Ausblick erreichen den Spitzenpreis von 13,50 Euro pro Quadratmeter. Durchschnittlich werden 11,90 Euro verlangt. Alle Wohnungen sind gleich ausgestattet: mit Linoleumboden in Holzoptik, Fußbodenheizung, offenen Duschen und komplett ausgestatteten Einbauküchen mit Geschirrspüler. In allen Wohnungen liegt die Kochzeile im offenen Wohnbereich. Große Wohnungen verfügen über zwei Bäder und zwei Balkone. Alle Erdgeschosswohnungen erhalten einen kleinen Mietergarten, der durch Hecken vom öffentlichen Bereich getrennt wird.

Jede Wohnung ist anders geschnitten

Die Zuschnitte aller Wohnungen unterscheiden sich. Selbst übereinander liegende Wohnungen sind nicht gleich. Auch die Balkone wechseln in Größe und Form, springen vor und zurück, sind teilweise wie in Schachteln verpackt. Bodentiefe Fenster verfügen über verglaste französische Balkone. Die Architekten vom Berliner Büro Graft wollten eine aufgelockerte Fassade statt Monotonie. Offenbar kommt diese Architektursprache bei vielen Mietern an. Kaum eine Rolle spiele dagegen der Blick auf den unsanierten Speicher, sagt Stephan Oelze.

Mittendrin steht der unsanierte Speicher

Die Mieter werden sich an den Blick auf die graugelben Putzwände gewöhnen müssen. TAS wollte den Speicher aus wirtschaftlichen Gründen abreißen, alternativ der Stadt überlassen oder mit ihr gemeinsam entwickeln. Die Kreisverwaltung hat den Abriss nicht genehmigt und auch einen Widerspruch von TAS zurückgewiesen. Die klagt nun. „Die Gerichte werden entscheiden“, sagt Oelze. Doch die TAS sei weiterhin offen für Gespräche mit der Stadt. An dem mehr als 100 Jahre alten Bau wurden inzwischen Notinstandhaltungsmaßnahmen durchgeführt, damit keine Trümmerteile herabfallen.

Der denkmalgeschützte Kornspeicher ist von Neubauten umstellt. © Foto: Klaus D. Grote

Immobilien Investor klagt auf Abriss des Oranienburger Speichers

In der Tiefgarage zeigt Stephan Oelze dann den fertigen Zugang zum Speicher, der nun provisorisch zugemauert werde. Auch die Fundamente für das neben dem Speicher geplante Treppenhaus seien schon gesetzt worden. 500.000 Euro habe die TAS investiert. Der Vorwurf, der Investor habe den Abriss von Anfang an geplant, stimme also nicht, sagt Oelze. 17 Wohnungen auf neun Etage waren eigentlich im Speicher geplant. Die Baugenehmigung, die auch Fensteröffnungen und Balkone an dem Denkmal zuließ, lag bereits vor. Das Vorhaben erwies sich jedoch als teurer als zuerst geplant und sei damit unwirtschaftlich, argumentiert die TAS. Bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung könne auch nicht der wirtschaftliche Erlös aus den Neubauten herangezogen werden. Die TAS hat für beide Unternehmungen unterschiedliche Gesellschaften gegründet. Der Name „Wohnen am Speicher“ wurde in Louise geändert.

Offene Wege durch den Hof

Die Wohnsiedlung solle sich in die Stadt integrieren, verspricht Oelze. Zäune gibt es nicht, allenfalls Hecken. Zur Lehnitzstraße entsteht ein Rosenstreifen vorm Haus. Zwei Zugänge vom Louise-Henriette-Steg sowie von der Lehnitzstraße und zur Pferdeinsel seien öffentlich zugänglich. Passanten können das Gelände künftig queren. Bis zum März werde der Hof begrünt. Auch große Bäume werden gepflanzt, um den Mietern im dicht umbauten Hof von Beginn an eine heimelige Atmosphäre zu bieten. Der Uferbereich am alten Havelarm sei gereinigt worden. Um das stehende Gewässer dauerhaft sauber zu halten, müssten die beiden Havelarme an der Pferdeinsel mit einem Rohrsystem verbunden werden, so Oelze. Die TAS habe dazu mit der Stadt verhandelt – bislang ergebnislos.

Die Häuser im zweiten Bauabschnitt im westlichen Bereich Richtung Havel werden derzeit abgerüstet, umzäunt und mit einer Zugangsschleuse versehen. Die Baustellenzufahrt erfolge dann bis März über den Fischerweg, kündigt Oelze an. Es seien aber nicht mehr viele Fahrzeuge unterwegs. Lediglich Innenausbauten seien noch zu erledigen. Bis zum 1. März sollen auch diese Häuser bezugsfertig sein. Die Vermarktung läuft.

Nachbarn in zwölf Blöcken

264 Wohnungen baut die TAS rund um den Speicher. Insgesamt werden in den zwölf Blöcken, die unter der Anschrift Lehnitzstraße 23 a bis f erreichbar sind, 98 Zwei-Zimmer Wohnungen, 102 Drei-Zimmer-Wohnungen, 51 Vier-Zimmer- und 13 Fünf-Zimmer-Wohnungen vermietet. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung im 4. OG mit 53 Quadratmetern kostet beispielsweise warm 825 Euro. 132 Quadratmeter mit vier Zimmern im dritten Stock kosten warm 1817 Euro. Kritik gibt es in der Stadt inzwischen an der Baudichte und der damit verbundenen Verschattung am Louise-Henriette-Steg. Gewerbetreibende in der Nachbarschaft hoffen auf neue Kundschaft. Mieter im Louise-Henriette-Center würden sich über eine Belebung des Hauses, in dem einige Ladenflächen unvermietet sind, freuen.

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